HR-News & Trends

Antidiskriminierungsgesetz: Stellenanzeigen formulieren, ohne auszugrenzen

von Theresa Höhn

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, soll Benachteiligung aufgrund des Alters, der Religion, des Geschlechts, der sexuellen Identität, der Herkunft oder einer Behinderung verhindern. Um dem Antidiskriminierungsgesetz zu entsprechen, müssen Personalverantwortliche bei der Formulierung von Stellenanzeigen vieles beachten. Smartlaw und ABSOLVENTA haben zu diesem Thema ein Whitepaper erstellt. Die wichtigsten Inhalte fassen wir kurz zusammen.

smartlaw Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz erfordert achtsame Formulierung von Stellenanzeigen Darstellung: smartlaw

Weniger Floskeln, mehr konkrete Anforderungen

Diskriminierung wegen des Geschlechts: Die Stellenanzeige sollte immer an beide Geschlechter gerichtet sein. Das gelingt, indem Sie entweder sowohl die weibliche, als auch die männliche Form nennen oder beispielsweise statt einer Stelle für einen „Grafiker“, eine Stelle für „Grafiker (m/w)“ ausschreiben.

Diskriminierung aufgrund des Alters: Geht es um Altersdiskriminierung, sind die Formulierungen häufig eher versteckt. Suchen Sie zum Beispiel eine „Ergänzung für ein junges Team“, ist Vorsicht geboten. Solche oder ähnliche Formulierungen können diskriminierend sein.

Diskriminierung aufgrund des Aussehens: Dass ein Arbeitgeber heute nicht mehr auf ein Foto von Bewerbern besteht, hat sich inzwischen weitgehend durchgesetzt. Auch wenn das Bewerbungsbild für die meisten Bewerber nach wie vor dazugehört, dürfen Arbeitgeber prinzipiell nicht auf das Bewerbungsfoto bestehen.

Diskriminierung aufgrund der Herkunft: Häufig hingegen ist, dass in Anzeigen ausdrücklich ein „Muttersprachler“ gesucht wird. Um niemanden aufgrund seiner Herkunft zu benachteiligen, können Arbeitgeber beispielsweise „sehr gute“ oder „fließende“ Sprachkenntnisse fordern.

Als Faustregel gilt, statt bestimmte konkrete Eigenschaften von Bewerbern zu fordern, sollten Sie lieber die konkreten fachlichen Anforderungen in den Vordergrund zu stellen.

Was, wenn der Job eine Ungleichbehandlung erfordert?

Es ist durchaus möglich, dass eine Stelle eine unterschiedliche Behandlung erfordert. Auch dieser Fall ist im AGG geregelt. So kann unter Umständen eine geschlechtsspezifische Ausschreibungen gesetzeskonform sein, wenn die Art der Tätigkeit es erfordert, es sich bei der ausschreibenden Stelle z.B. um eine Institution nur für Frauen oder nur für Männer handelt. Keine gute Begründung für eine Ungleichbehandlung ist jedoch eine körperlich sehr anstrengende Tätigkeit: Selbst wenn es im Job darum geht, Zementsäcke zu tragen, darf die Ausschreibung sich nicht nur an Männer wenden.

AGG nicht beachtet, und nun?

Gibt es Indizien für eine Diskriminierung, dann hat der Bewerber Anspruch auf Schadensersetz und Entschädigung. Kann der Arbeitgeber beweisen, dass der Bewerber auch ohne Diskriminierung nicht eingestellt worden wäre, dann ist die Entschädigung auf maximal drei Brutto-Monatsgehälter begrenzt. Ein Recht darauf, eingestellt zu werden, gibt es in diesem Fall allerdings nicht.