HR-News & Trends

Burn-out bei Personalmanagern – Wegsehen ist keine Lösung

Das Ausbrennen von Berufstätigen ist mittlerweile zum traurigen Trend geworden. Insbesondere bei den jüngsten Arbeitnehmern - der Altersgruppe bis Dreißig - nehmen die Fallzahlen dramatisch zu. Auch Personalmanager sind immer häufiger betroffen.

Seit Mitte der 90er Jahre ist die Zahl psychischer Erkrankungen um über 68% gestiegen. Das liegt unter anderem am Wahn vieler Manager, Arbeitsprozesse so weit wie möglich zu optimieren. In vielen Branchen wird darüber hinaus häufig erwartet, dass Arbeitnehmer bis in die späten Abendstunden bleiben und ihr Privatleben hintanstellen. Wertschätzung der geleisteten Arbeit? Fehlanzeige! Im Gegenteil. Lieber noch einen Packen Aufgaben oben drauf. Schließlich soll sich ja keiner langweiligen. Doch gerade wenn es die „Zugpferde“ erwischt – und die sind besonders für Burn-out prädestiniert – ist der Schaden immens.

Nun werden sich einige von Ihnen fragen: „Was hat das mit mir zu tun? Der ist doch selbst schuld, wenn er sich so übernimmt!“ Tatsächlich aber hat Burn-out laut der Aussage vieler Psychologen zwei Hauptursachen: Falsches Führungsverhalten und eine ungesunde Unternehmenskultur. Unter Führungsverhalten fällt übrigens auch die Arbeitsorganisation. Juristen beschäftigen sich bereits intensiv mit möglichen Rechtsfolgen für Unternehmen, wenn sie tatenlos dabei zusehen, wie ihre Arbeitnehmer ausbrennen. In einem Punkt ist man sich einig: Die Vogel-Strauß-Taktik kann den Arbeitgeber teuer zu stehen kommen!

Denn was die wenigsten wissen: Es gibt bereits Gesetze gegen Burn-out! Schon mal was von der „Fürsorgepflicht des Arbeitgebers“ gehört? Das Ganze finden Sie im Bürgerlichen Gesetzbuch unter § 241 Absatz 2. Dazu gehört auch, die psychische Gesundheit des Arbeitnehmers zu gewährleisten. Gemäß § 618 BGB verpflichtet sich der Arbeitgeber darüber hinaus, Schutzmaßnahmen für seine Angestellten zu ergreifen und § 5 des Arbeitsschutzgesetzes verpflichtet Sie sogar zu einer Gefährdungsbeurteilung der Arbeitsplätze. Kommen Sie dieser Pflicht nicht nach, müssen Sie im Falle einer erfolgreichen Schadensersatzklage von geschädigten Arbeitnehmern tief in die Tasche greifen.


Regelmäßige Mitarbeitergespräche tragen dazu bei, Burn-out-Symptome frühzeitig zu erkennen 


5 erschreckende Fakten über Burn-out

1. Jeder 10. Vollzeitbeschäftigte in Deutschland arbeitet über 60 Stunden pro Woche, wobei
    das Risiko für Burn-out und Herzinfarkte ab 50 Stunden regelmäßiger Wochenarbeitszeit
    dramatisch zunimmt.

2. Fast die Hälfte aller Krankmeldungen in Deutschland hat psychische Ursachen.

3. Die durchschnittliche Krankheitsdauer pro Burn-out-Fall beträgt 23 Tage. Insgesamt ergibt das über
    1,8 Millionen Fehltage durch Burn-out pro Jahr.

4. Unternehmen können durch psychische Krankheiten bis zu 88 Millionen Euro Zusatzkosten im
    Jahr entstehen. Insgesamt verursachen Burn-out Erkrankungen der deutschen Wirtschaft jährlich
    2,4 Milliarden Euro Schaden.

5. 3 Millionen Menschen in Deutschland gelten derzeit als Burn-out-gefährdet. Rund 20%
    aller Erwerbstätigen erleben im Laufe ihres Berufslebens Burn-out-ähnliche Phasen.


Burn-out bei Personalmanagern – Warnsignale erkennen

Laut der Fernuni Hagen sind bereits ein Drittel aller Personalmanager von Burn-out betroffen oder zumindest gefährdet. Die Ursachen sind wohl vor allem in den Arbeitsbedingungen zu suchen. Weg von der Mitarbeiterorientierung, hin zum Humankapital. Viele bürokratische Stolpersteine machen den Arbeitsalltag zum Hindernislauf und die mangelnden Entscheidungsbefugnisse sorgen früher oder später für Frustration.

Doch führen diese Umstände immer zum Burn-out? Und wenn ja, wie erkennt man dies rechtzeitig? Kollegen werden hier recht bald Veränderungen im Verhalten des Betroffenen erkennen. Er wird sich abschotten, seltener mit zum Lunch kommen und mehr Fehler machen. Früh morgens wird er als Erster da sein und abends als Letzter – und dennoch wird sich der Output nicht maßgeblich erhöhen. Termine werden immer wieder verschoben und die Stimmungslage ist dauerhaft im Keller. Entweder der erkrankte Kollege wirkt permanent erschöpft und resigniert oder gereizt. Er macht anderen Vorwürfe, wird öfter mal laut und lässt gerne die ein oder andere zynische Bemerkung fallen.

Spätestens, wenn der Satz fällt: „Was ist denn in letzter Zeit mit Frau Maier los? Sie war doch früher immer so optimistisch und energiegeladen?“, sollten die Alarmglocken bei Ihnen läuten. Denn dann ist gezieltes Hinterfragen und bei Bedarf vor allem Gegensteuern gefragt!


Was Arbeitgeber gegen Burn-out bei Personalmanagern tun können

Führungskräfte gelten als einer Haupttreiber der Burn-out-Problematik. Manche setzen mit ihren Zielen die Messlatte einfach zu hoch. Die Untergebenen versuchen dann trotzdem die Vorgaben zu erfüllen und fühlen sich am Ende wie der sprichwörtliche Hamster im Laufrad. Am besten vereinbaren Sie Ziele mit jedem Arbeitnehmer individuell. Hierbei ganz wichtig: Realistisch bleiben! Zielvorgaben sollten motivieren und nicht wie ein unbezwingbarer Berg auf dem Papier prangen.

Manchmal sind es aber auch Kleinigkeiten, die wahre Wunder wirken können. Fehlende Anerkennung wird von vielen Arbeitnehmern als Hauptgrund für ihre Unzufriedenheit angegeben. Wenn der Chef seinen Mitarbeitern also regelmäßig Feedback gibt und dabei für Erfolge konkretes Lob ausspricht, ist das manchmal mehr wert als eine Gehaltserhöhung. Auch ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme der Untergebenen kann viel bewirken.

Fehlende Bewegung und eine ungesunde Ernährung gelten zumindest als begünstigende Faktoren für Burn-out-Erkrankungen. Auch mit kleinem Budget lässt sich hier einiges bewirken. Ab und zu mal kostenloses Obst in die Küche zu legen, wird als wohlwollende Geste wahrgenommen und trägt eventuell sogar dazu bei, in der Erkältungszeit den Krankenstand zu senken. Oder Sie verteilen als Bonus bei guter Leistung Gutscheine für Fitnessstudios.


Burn-out-Prävention – So verhindern Sie Burn-out bei Personalmanagern

Prävention ist bei Burn-out das A und O, denn je nach Schwere des Falls, kann es ohne weiteres ein halbes Jahr dauern, bis Ihr Mitarbeiter wieder arbeitsfähig ist. Doch auch dann ist es nicht auszuschließen, dass er rückfällig wird. Das gilt insbesondere dann, wenn sich an den Arbeitsprozessen und beim Führungsverhalten zwischenzeitlich nichts getan hat. Im schlimmsten Fall muss der Arbeitnehmer frühzeitig berentet werden. Spätestens dann sind Sie vor Schadensersatzklagen nicht mehr sicher. Natürlich nur, sofern man Ihnen die Schuld an seinem Zustand nachweisen kann.

Versuchen Sie also Führungskräfte und Mitarbeiter entsprechend zu schulen und bieten Sie, sofern es ihr Budget zulässt, psychologische Coachings an. So können Ihre Mitarbeiter und Führungskräfte lernen, in sich hinein zu hören und die Warnsignale bei anderen frühzeitig zu erkennen. Eine preisgünstige Alternative sind Online-Burn-out-Tests.

Wie bereits erwähnt, ist auch die Unternehmenskultur hier ein wichtiger Faktor. Haben Ihre Führungskräfte ein offenes Ohr für Ihre Untergebenen und besteht gegenseitiges Vertrauen? Wenn nicht, könnte genau da schon der Hund begraben liegen.

Die BASF verrät im Interview, wie sie mit ihrem Zentrum für Work-Life-Management aktiv zur Burn-out-Prävention bei den Mitarbeitern beiträgt. 

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Mangelnde Mitarbeitermotivation kostet Wirtschaft rund 100 Milliarden Euro

von Daniel Furth

Personalmarketing für KMUs – Präsentation

Personalmarketing-Fails: die Goldene Runkelrübe 2013

von Daniel Furth