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Eine Multi-Mediathek für Mitarbeiter: Einblicke aus der eLearning-Praxis bei Ferrero

von Luise Koehler

Lebenslanges Lernen ist für Mitarbeiter der Schlüssel für eine lange und erfolgreiche Karriere. Davon profitieren auch die Unternehmen. Arbeitgeber sollten daher versuchen, es ihren Angestellten schmackhaft zu machen, sich stetig weiterzuentwickeln. Im Interview mit Jobnet.de spricht Frauke Hofsommer – Head of Talent Management, Training & Development bei Ferrero – über die Personalentwicklung mithilfe des Tools „TROVA!”.

Frauke Hofsommer Ferrero
Frauke Hofsommer, Head of Talent Management, Training & Development bei Ferrero

Frau Hofsommer, mit welchem Instrument fördert Ferrero die stetige Weiterentwicklung der Mitarbeiter?

Ein wichtiger Baustein unserer Personalentwicklung ist das Tool „TROVA!“, das kommt aus dem Italienischen „trovare“ – „finden, entdecken, antreffen“ – „Trova!“ heißt also „Entdecke!“.

Unser Ziel: Unseren Mitarbeitern mobiles und selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen, ihnen schnellen und einfachen Zugang zu Wissen zu verschaffen, ihr Interesse zu wecken und ihre Motivation zu erhöhen, sich eigenständig weiterzubilden. Das erreichen wir mit TROVA! sehr gut.

Wie gelingt Ihnen das?

TROVA! ist ein Tool, das durch seine Vielfalt an Themen, medialen Formaten und Nutzungsmöglichkeiten die Wünsche vieler verschiedener „Lerntypen“ abdecken kann. Die Mitarbeiter können per PC, Tablet und mit dem Smartphone darauf zugreifen, im Büro und Zuhause. Zudem können sie sich darauf verlassen, dass sie dort hochwertige und stimmige Inhalte finden, die aktuell sind. Im Vergleich dazu ist die Qualität und Passung bei den Google-Ergebnissen häufig eher fraglich.

Wer gab bei Ferrero den Anstoß für das Projekt „TROVA!“?

Die Impulse kamen von den Führungskräften und Mitarbeitern selbst. Wir haben gemerkt, dass der Wille, sich selbstständig zu entwickeln, gestiegen ist. Insbesondere für unsere Führungskräfte ist es zunehmend wichtiger geworden, sich eigenständig und zeitlich unabhängig von Terminen und Auslandsaufenthalten entwickeln zu können. Diesen Impuls haben wir aufgenommen und zu diesem Bedarf ein Angebot entwickelt, das zeitgemäß und passgenau ist.

Auf welche Arten von Medien können die Ferrero-Mitarbeiter über TROVA! zugreifen?

Das Angebot ist riesig: Buch- und Audio-Zusammenfassungen, sorgfältig ausgewählte Artikel von relevanten Webseiten, wie zum Beispiel der Harvard Business Review, Podcasts, Videos und ePaper.

Wer entscheidet über die Auswahl der Inhalte?

Zu jeder Kompetenz aus dem Ferrero-Kompetenz-Modell haben wir für alle Formate Vorschläge des Anbieters Bridge2think bekommen und dann ausgewählt, welche wir unseren Mitarbeitern besonders empfehlen.

Wir legen zusätzliche Schwerpunktthemen fest, stellen für unsere Kollegen Leselisten zu Trainings oder interessanten Inhalten zusammen und geben einen Tipp des Monats heraus, der zu Themen passt, die uns intern beschäftigen oder aktuell sind. Außerdem beschäftigen wir uns mit der Benutzeroberfläche, die leicht zu bedienen sein muss.

Zu welchen Themen können sich die Mitarbeiter mit TROVA! weiterbilden?  

TROVA! bietet Weiterbildungsmöglichkeiten zu den verschiedensten Themen, also nicht nur im Business-Bereich, sondern auch weit darüber hinaus. Wir empfehlen den Kollegen zum Beispiel, sich mit TROVA! in Fremdsprachen fortzubilden. Das wird dadurch unterstützt, dass wir die Artikel, Videos und Podcasts in den Sprachen Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Französisch anbieten. Wenn diese Möglichkeit regelmäßig genutzt wird, kann sich die Sprachkompetenz alleine durch das Hören eines englischen Podcasts z.B. bei  einer Zug- oder Autofahrt deutlich verbessern, vor allem das sogenannte Hörverstehen.

Welche Daten erheben Sie über die Nutzung des eLearning-Tools durch Ihre Mitarbeiter?

Wir bekommen monatlich eine Auswertung über die Nutzerzahlen, den Traffic, die beliebtesten Artikel und Kategorien sowie über die häufigsten Suchbegriffe. Zudem können wir sehen, auf welchen Endgeräten – Smartphone, Tablet oder PC – unser Tool genutzt wurde. Weltweit am häufigsten werden Videos gesucht und angeschaut. Unsere Mitarbeiter in Deutschland sind jedoch vor allem an Buchzusammenfassungen interessiert. Was wir außerdem beobachten konnten: Die stundenlange Nutzung von TROVA! ist eher die Ausnahme, stattdessen nutzen unsere Mitarbeiter das Tool punktuell, zum Teil auch am Wochenende.

Was machen Sie mit den Daten?

Diese Daten nutzen wir, um unsere User besser zu verstehen und ihnen die richtigen Angebote zu machen. Wir werten natürlich keine benutzerbezogenen Daten aus. Uns geht es um ein erweitertes Lernangebot ­für unsere Mitarbeiter – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wie ist das Feedback zu TROVA! von den Ferrero-Mitarbeitern?

Wir bekommen regelmäßig positive Rückmeldungen der Mitarbeiter. Das reicht von „relevant für die tägliche Arbeit“ über „gibt Anregungen“ bis „inspirierend“. Es hat auch schon Fälle gegeben, bei denen Teams die Ideen und den Input aus Artikeln oder Büchern direkt in ihre alltägliche Arbeit haben einfließen lassen.

Was denken Sie: Hat sich die Einstellung der jüngeren Generationen zum selbstbestimmtem Lernen verändert?

Lernen ist für die jüngere Generation sehr wichtig, weil sie sich weiterentwickeln und nach einiger Zeit in andere Bereiche wechseln möchte. Zudem wissen die jungen Mitarbeiter, dass lebenslanges Lernen heutzutage eine ganz wichtige Rolle spielt, um im Beruf erfolgreich zu sein. Des Weiteren hat es Effekte auf die Motivation, wenn man selbst entscheiden kann, was man lernt, mit welchen Medien und zu welchem Zeitpunkt man lernt. Genau aus diesem Grund war uns wichtig, dass TROVA! auch mobil und von unterwegs nutzbar ist.

Insbesondere die junge Generation ist es gewohnt, dass neue Medien sehr einfach und von überall genutzt werden können. Da ist die Hürde nur sehr gering. Außerdem ist Lernen alltagsbegleitend geworden, eine App zum Sprachen lernen hier, ein Hörbuch auf Englisch dort, ein Podcast zu einem interessanten Thema für zwischendurch. Das Lernen passiert auf diese Weise quasi nebenbei. Es wird zur Gewohnheit und zur schönen Beschäftigung, nicht zur Plicht.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft Lernens aus?

Lernen wird in Zukunft vor allem durch eLearnings, Web Based Learning et cetera noch zeit- und ortsunabhängiger werden. Es werden nicht alle Standardtrainings über alle „ausgekippt“, sondern es wird mehr nach dem individuellen Bedarf der Person geschaut. Dazu gehört auch, dass Mitarbeiter mehr Einfluss darauf haben, in welchen Bereichen sie sich gerne fortbilden möchten. Angebote wie TROVA! unterstützen das selbstgesteuerte und damit demokratisierte Lernen und stellen einen Schritt in diese Richtung dar. Die Möglichkeit, die „learning moments“ zu nutzen, also zeitnah zu einer Situation kontextbezogen Wissen und Lernmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, erhöht die Nachhaltigkeit erheblich.

Was können sie mittelständischen Unternehmen raten, die ihren Mitarbeitern ebenfalls ein Tool für selbstbestimmtes und freies Lernen anbieten wollen?

Meine Tipps:

  • Austausch mit anderen Personalentwicklern zu deren Erfahrungen
  • verschiedene Anbieter testen
  • den Bedarf und das Interesse der Mitarbeiter abfragen oder besser: hinhören!
  • relevante Themen identifizieren und darüber einen Mehrwert für die Arbeit der Mitarbeiter leisten
  • schon vor der Einführung über Möglichkeiten der Verbreitung nachdenken
  • unbedingt das Tool mit klassischen Instrumenten verknüpfen, wie zum Beispiel mit einem Beurteilungssystem

Vielen Dank für das Interview!