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Gute Karriere-Website: Zwei Beispiele aus der Praxis

von Henner Knabenreich

Trotz des Hypes um Social Media: Die Karriere-Website ist und bleibt das Herzstück in der Personalgewinnung. Ganz egal, woher der Bewerber kommt: Ob von einer Facebook-Seite, von einer Stellenanzeige oder durch eine Imagebroschüre: Will man sich weiter informieren und sich bewerben, so führen alle Wege in diesem Falle nicht nach Rom, sondern auf die Karriere-Website. Hier finden die umworbenen Zielgruppen dann idealerweise nicht nur Stellenangebote, sondern umfassende Informationen über den Arbeitgeber – und somit die Antwort auf die Frage, warum sich der Aufwand für eine Bewerbung eigentlich lohnt. Darum ist es entscheidend, dass die Karriere-Website emotional anspricht und genau jene Informationen vermittelt, die letztlich zur Bewerbung führen. Im Zeitalter der Informationsflut wird es dabei immer wichtiger, die Informationen gut – also logisch und intuitiv auffindbar – zu strukturieren. Idealerweise findet der Bewerber die Informationen auf einen Blick, mit einem Klick.

Vor kurzem wurde wieder im Rahmen der „Goldenen Runkelrübe“ der Preis für die unattraktivste Karriere-Website vergeben. Stellt sich also die Frage, wie eine Karriere-Website aussehen sollte, um diesem zwar Aufmerksamkeit bringenden, aber nicht unbedingt zur positiven Reputation beitragenden Award zu entgehen.

Ich habe mich bei den nachfolgenden Beispielen im Übrigen bewusst nicht für die Karriere-Websites von namhaften Unternehmen entschieden. Schließlich zeigen diese Beispiele, dass auch kleinere Unternehmen mit gut durchdachten Lösungen durchaus begeistern können.

Vorbildliche Karriere-Websites: Polizei Sachsen und News-Aktuell

Starten wir mit der >> Polizei Sachsen. Die Website selber ist derzeit neben der Karriere-Website der Bundespolizei wohl das Beste, was in Sachen polizeilichem Personalmarketing geht. Ein klar strukturierter, nutzerfreundlicher, aufs Wesentliche reduzierter One-Pager. Wirklich toll umgesetzt!

So findet der Nutzer nicht nur das absolut sehenswerte Recruiting-Video (hier wird mit echten Polizisten als Protagonisten ein möglicher Einsatz dargestellt). Auch gibt es leicht zugängliche und verständlich aufbereitete Infos zu den Einstellungsvoraussetzungen, einen Hinweis zu Förderungsmöglichkeiten, eine Gegenüberstellung von Ausbildung und Studium, Infos zu den Einsatzmöglichkeiten mit einer kurzen Beschreibung der einzelnen Tätigkeitsbereiche (Streifendienst, Verkehrspolizei, Kriminalpolizei, Bereitschaftspolizei, Diensthundestaffeln, Wasserschutzpolizei, Hubschrauberstaffel etc.) und Hinweise zu den Karriereperspektiven. Sogar die Besoldung wird schamlos auf der Website thematisiert.

Man bekommt so wirklich einen sehr guten Eindruck und kann für sich entscheiden, ob eine Karriere bei der Polizei das Richtige für einen ist bzw. ob man überhaupt die Voraussetzungen erfüllt.

Selbstverständlich fehlt auch weder der mehrfache Hinweis auf die Online-Bewerbung, noch auf die Facebook-Karriereseite. Das einzige, was den so positiven Eindruck trübt, ist die nicht vorhandene Top-Navigation. Weder in der Desktop-, noch in der Mobilvariante gibt es ein Menü. So muss der Nutzer eben einfach seinem Entdeckerdrang folgen. Dennoch, Chapeau für diesen Auftritt. Auch für die mobil optimierte Variante, die heute leider nach wie vor alles andere als selbstverständlich ist.

Was mir an der Seite von >> News Aktuell gut gefällt, ist z. B. der Einstiegsbereich. Freundlich empfangen von der Personalleiterin findet der Interessent jede Menge Anreize und kann sich direkt zu den Informationen wie bspw. Familienfreundlichkeit, Gesundheit & Beruf oder Umgebung durchklicken. Nach den Jobs muss man nicht ewig suchen, diese werden übersichtlich direkt auf der Startseite präsentiert.

Highlight der Seite sind die Informationen zum Standort Hamburg. Hier findet der Nutzer sehr schön aufbereitet nicht nur Infos zu dem, was Hamburg im allgemeinen bietet, vielmehr findet er einen Überblick zu Kindergärten, Schulen, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und dem ÖPNV und vieles mehr.

Eine Klasse Idee, die durchaus Inspiration für andere Websites sein darf. Gerade ein Nicht-Standortkundiger ist dankbar für jede Information über seinen neuen Arbeits- und damit im Zweifelsfall auch Wohnort. Warum also sollte man nicht die Chance nutzen und mit entsprechenden, die Entscheidung fördernden Maßnahmen, beim Bewerber punkten?

DER AUTOR:
Gastbeitrag von Henner Knabenreich, Experte und Berater rund um den perfekten Arbeitgeberauftritt sowie Inhaber des Blogs Personalmarketing2Null.de.