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Praktikantenspiegel 2014: Vergütung ist nicht alles

von Daniel Furth

Die vermeintlich schlechte Vergütung von Praktikanten war dank der Koalitionsverhandlungen in aller Munde. Die Realität ist jedoch, dass in vielen Branchen bereits vergleichsweise gut bezahlt wird. Das ergab der Praktikantenspiegel 2014, für den Clevis und ABSOLVENTA Jobnet rund 7.500 ehemalige und aktuelle Praktikanten befragt haben.

Demnach vergüten vor allem Branchen, die Nachwuchssorgen haben, ihre Praktika gut. So im Automobilbereich, der IT-Branche sowie der Chemie-Branche. Schwarze Schafe gibt es aber weiterhin, darunter „Klassiker“ wie die Medien-Branche sowie der Kulturbereich und soziale Einrichtungen. Auch der öffentliche Dienst bezahlt seine Praktikanten nicht sonderlich gütlich. Interessant: In einigen Branchen erhalten weibliche Praktikanten mehr als ihre männlichen Kollegen. Ingesamt erhielten 94% der Befragten eine Vergütung. Die durchschnittliche Praktikumsvergütung nach Branchen im Überblick:

Praktikantenspiegel: Vergütung nach Branche und Geschlecht

 

Vor allem tun sich aber auch regionale Unterschiede auf. Abgesehen von Hamburg, wo es das meiste Geld für Praktikanten gibt, tut sich dabei das typische West/Ost- und Nord/Süd-Gefälle auf. 

Große regionale Unterschiede: Praktikanten verdienen im Norden mehr als anderswo

 

Was zu erwarten war: Praktikanten im Master verdienen rund 100 Euro mehr als ihre Kollegen im Bachelor-Studium. Zudem zeigt auch der Praktikantenspiegel 2014 im Schnitt einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Letztere erhalten durchschnittlich rund 70 Euro weniger für ihre Tätigkeit. All diese Unterschiede mögen ein Grund dafür sein, dass nur 43% der Befragten mit ihrer Vergütung zufrieden waren.  

Frauen verdienen im Praktikum weniger als Männer. Genauso verhält es sich von Bachelor-Studenten zu Master-Studenten.

 

Insgesamt hohe Zufriedenheit mit dem Praktikum

Auch hinsichtlich der Gesamtzufriedenheit mit dem Praktikumsarbeitgeber manifestiert der Praktikantenspiegel 2014 große Unterschiede entlang der Branchen. Insgesamt waren 82 Prozent der Befragten alles in allem mit ihrem Praktikum zufrieden. Top sind auch hier allerdings wieder die Branchen mit Nachwuchsmangel: Pharma/Chemie, IT/Software sowie Konsumgüter/Groß-/Einzelhandel. Am wenigsten zufrieden sind die Praktikanten der Medien-/Marketingbranche, gefolgt von den Bereichen Soziales/Gesundheit und dem Öffentlichen Dienst. Einzelne Unternehmen, die genügend Bewertungen erhielten, wurden bei der Erhebung namentlich identifiziert. Wirtschaftswoche Online hat diese Top-Praktikumsarbeitgeber in einer Bildergalerie zusammengefasst – genauso wie die Verlierer des Praktikantenspiegel. Für ein gutes Praktikum sind Studenten zudem durchaus umzugsbereit: fast 53 Prozent wechselten für ein Praktikum ihren Wohnort. Die generelle Zufriedenheit der Praktikanten nach Branchen:

Praktikantenspiegel 2014: Gesamtzufriedenheit der Praktikanten nach Branchen

 

Diese Noten erhielten die Arbeitgeber in den verschiedenen Branchen im Schnitt:

Vor allem Branchen mit Nachwuchsmangel bieten Praktikanten die besten Bedingungen

 

Vergütung ist nicht alles

Doch interessanterweise ist für die befragten Praktikanten gerade die Vergütung nicht ausschlaggebend dafür, ob sie mit ihrem Arbeitgeber zufrieden sind. Viel wichtiger sind ihnen die Unternehmenskultur, das Teamklima, Feedback und Wertschätzung durch Vorgesetzte sowie die Aufgabenvielfalt. Ähnliche Ergebnisse förderte eine weitere Praktikanten-Umfrage von ABSOLVENTA Jobnet zutage. Zudem ist vor allem auch die Struktur des Praktikums sehr wichtig. Ablauf, Tätigkeiten und feste Ansprechpartner sollten also vorher vom Unternehmen durchgeplant und eingewiesen werden. Insgesamt erreichten nur wenige Unternehmen auf einer Skale zwischen eins und vier einen Wert über vier. Hier herrscht also noch viel Nachholbedarf bei Unternehmen. Wie die Praktikanten die Struktur ihres Praktikums in einzelnen Branchen bewerteten, zeigt die folgende Grafik:

Praktikantenspiegel: So zufrieden waren die Befragten mit der Struktur ihres Praktikums

 

Im War for Talents werden Recruiting und Employer Branding immer kostenintensiver und resourcenfressender. Deshalb wundert es, dass nur ein geringer Teil der Befragten von den Unternehmen die Aufnahme in ein Allumni-Netzwerk angeboten bekam. Schließlich kann man auf diese Weise recht einfach mit potentiellen späteren Arbeitnehmern in Kontakt bleiben, um sie nach ihrem Uni-Abschluss auf günstige Weise ins Unternehmen zurückzuholen. Die Fachabteilungen scheinen diese Vorteile eher bewusst zu sein als den Personalabteilungen – darauf deuten zumindest die vielen privaten Kontakte hin, die Ex-Praktikanten noch zu den Unternehmen haben.

Praktikantenspiegel 2014: So halten Unternehmen Kontakt zu ehemaligen Prakikanten 

 

Medien greifen Thema auf

Insgesamt erzeugten die Ergebnisse des Praktikantenspiegels einen riesigen Medienrummel. Spiegel Online, Huffington Post, Wirtschaftswoche, heute.de und über 100 andere Medien berichteten online, hinzu kamen Print-Artikel, zum Beispiel im Wirtschaftsteil der Süddeutschen sowie TV- und Radiobeiträge auf ProSieben/Sat1, RBB und anderen öffentlich-rechtlichen Sendern. Dort lesen und hören Sie noch weitere Ergebnisse des Praktikantenspiegels 2014 im Detail.


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