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Talentmanagement: 5 Merksätze, die zum Erfolg führen

von Mario Stadelmann

Talentmanagement im Sinne der Personalentwicklung ist wichtig, um die Fähigkeiten der Mitarbeiter optimal zu fördern. Doch viele Unternehmen investieren zu wenig in das Segment – und machen am Ende mehr Talent kaputt als es zu fördern. Diese fünf Merksätze führen zu einem erfolgreichen Talentmanagement. 

Mit Talentmanagement verhält es sich wie mit Demografie-Management: Erst sprach man nur über die Alten, die mit 65 Jahren gehen. Dann sorgte man sich über den Verlust der Wissensträger. Zuletzt wurden die Alten immer jünger und plötzlich waren sie unter uns.

Heute wissen wir, dass der demografische Wandel wesentliche Impulse für gesamtgesellschaftliche Veränderungen gesetzt hat. Beim Talentmanagement waren die Startbedingungen ähnlich: Mittlerweile sind alle MitarbeiterInnen talentiert und Unternehmen suchen mehr und mehr Modelle, um Talente zu entdecken und zu fördern. 

Wie aber sieht es mit dem Talentmanagement in Wirtschaftsunternehmen tatsächlich aus? Wenn MitarbeiterInnen mit ihren Talenten durch Umstrukturierungen „verkümmern“, Talente zu früh und/oder zu schnell trainiert werden, dann ist das Thema ganz schnell wieder vorbei. Ein einmal falsch eingesetztes Talent hat sowohl intrapersönlich als auch für Unternehmen fatale Wirkungen. Um für besondere Tätigkeiten besondere Talente zu finden, zu begleiten und entsprechend zu binden, sind diagnostische Instrumente notwendig. Ein internationales Software Unternehmen geht beispielhaft voran.


SAP: Autisten in der Talentschmiede

Bei der SAP AG werden Autisten im IT Bereich eingestellt. Autisten sind Menschen mit besonderen Fähigkeiten zur Strukturbildung und Erfassung. Sie sind in der Lage, sehr binär zu denken und können damit relativ schnell Störungen vermeiden bzw. hemmen. Probleme gibt es dabei nur durch unvorhergesehene Ereignisse, die nicht entscheidbar sind. Also Kommunikation und Verhalten. Durch ein Begleitprogramm des Unternehmens wird gesichert, dass Störungen der genannten Art  frühzeitig  abgefangen werden.

„Bei SAP geht die Idee, bei bestimmten Aufgaben im IT-Bereich auf Autisten zu setzen, auf Mitarbeiter in Indien zurück“, wie Anka Wittenberg, Chief Diversity and Inclusion Officer beim Software-Unternehmen, berichtet: „Sie haben sich dort im Rahmen einer freiwilligen Initiative um Kinder mit Autismus gekümmert. Ziel war es, diese Kinder mittels Technologie in deren Ausbildung zu unterstützen“. Bei SAP hat man im Pilotprojekt nicht nur die Erfahrung gemacht, dass Menschen mit Autismus wertvolle Mitarbeiter sein können, sondern auch, dass sich „die Produktivität und der Zusammenhalt innerhalb des gesamten Teams entscheidend verbessert“. 

Talentmanagement, Personalentwicklung
Am besten im Team: Mit erfahrenen Mentoren kann die Talentförderung gelingen.

Zugegeben ein exotisches Modell, man muss auch nicht Autist sein, um talentiert zu sein, aber wir können daraus lernen: Bisher nicht als Talent gesehene Talente werden durch andere Perspektiven doch Talente. Aber es muss auch jemand Talente sehen oder zumindest ahnen können. Aber, ehrlich, kennen Sie ihre eigenen Talente oder sind diese schon mal Gegenstand von Personalentwicklung gewesen?! Wir reden dabei nicht nur über handwerklich-künstlerische, sondern auch über Talente zu Strukturbildung, Ressourcennutzung, holistisches Denken und Fähigkeiten zu Detail und Stringenz oder auch Zauberei.


5 Merksätze, die zum Erfolg führen

Wenn Unternehmen Talentmanagement im Sinne von Schatzsuche betreiben, müssen Sie folgende Merksätze beachten:

1. Talente sind Schätze. Sie zu heben ist immer gefährlich, denn sie können im letzten Augenblick entgleiten. Nehmen Sie also die richtige Mannschaft, um die Schätze nach Hause zu bringen.

2. Geborgene Schätze sind in aller Regel dreckig und vollkommen versteckt. Selten blitzt der Goldbarren unter der Oberfläche. Nur Kenner wissen was zu tun ist. Erlauben Sie nicht jedem, die Schätze zu säubern, sonst ist alles kaputt, ehe Sie angefangen haben.

3. Sorgen Sie für das richtige Klima unter und über Deck. Sonst wird der Schatz zerstört und ein nachhaltiger Nutzen entsteht erst gar nicht. Ansonsten können gehobene Schätze in ihrer Pracht ganze Dynastien zerstören.

4. Manche Schätze sind allerdings auch gar nicht dort, wo Sie sie vermuten. Manche Schätze liegen seit Jahren unberührt ganz in der Nähe, aber niemand kennt sie.

5. Talente sind evolutionäre Vorteile. Sie dienen dem besseren Überleben und werden durch deren Besitzer nicht unnötig preisgegeben. Versuchen Sie daher nicht, Talente zu kaufen.   


Anders ausgedrückt: Nur kompetente Schatzsucher sind in der Lage zu suchen und zu finden. Unternehmen müssen ihre Talentexpedition also von Anfang an mit der richtigen Mannschaft planen, sonst bringen sie viel Blech, aber kein Gold nach Hause.

Über den Autor: Mario Stadelmann leitet "Crossmentoring Deutschland". Mit seinem Mentoring-Ansatz fördert er vor allem Führungstalente und half bereits Unternehmen wie Frosta und der Deutschen Bank beim Talentmananagement. 

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