HR-News & Trends

Josts Kolumne: Taucherbrillen in der Wüste?

von Christoph Jost


Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft besagt, die Generation Y sei – verglichen mit der Generation X – kein Sonderfall für Personaler. Doch damit liegen die Forscher vollkommen falsch.

In der letzten Woche veröffentlichte das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln eine Studie zur Generation Y und deren Einstellung zu Arbeit und Beruf. Verblüffendes Ergebnis: Die junge Arbeitsmarktgeneration unterscheidet sich nicht von der älteren. Die Botschaft, die die Wirtschaftsexperten an die Personaler formulierten: Aufatmen! Keine neuen Konzepte nötig!

Sollten Arbeitgeber diese Studie tatsächlich ernst nehmen und auf dieser Erkenntnis ihre Rekrutierungsbemühungen in Richtung Generation Y aufbauen, könnte das fatale Folgen für sie haben. Denn, um es deutlich zu sagen: So empirisch korrekt die Erhebung sein mag, so wenig empfehlenswert sind die Schlussfolgerungen der Wissenschaftler. Wer ernsthaft denkt, Kandidaten mit unterschiedlichen sozialen, emotionalen, technischen und pädagogischen Hintergründen mit den gleichen Konzepten begeistern zu können wie solche mit konträr anderem Background, dürfte wahrscheinlich auch daran glauben, eine Taucherbrille in der Wüste verkaufen zu können.


Generation X ungleich Generation Y

Die Studie der Kölner Wirtschaftsexperten besagt: Die Generation Y habe die identische Einstellung zu ihrem Beruf wie die Generation X im gleichen Alter. Sie arbeite ähnlich viel, sei ähnlich zufrieden, habe ein ähnliches Sicherheitsbedürfnis und ein hohes Interesse an Lebenszufriedenheit. Na dann! Stellt sich die Frage, ob es sich hier nicht eher um allgemeine Grundbedürfnisse handelt und weniger um tiefere Erwartungen an einen Job, an einen Arbeitgeber, an einen Vorgesetzten, an ein Team oder ganz allgemein an den Bewerbungsprozess.
 

Generation X und Generation Y
Generationen X und Y: Würden Sie diese beiden Kandidaten mit der selben Kampagne ansprechen? Hoffentlich nicht! 
 

In zahlreichen Studien, Umfragen und Analysen hat ABSOLVENTA die Haltung der Generation Y zum Job untersucht – die Ergebnisse zeigen deutlich, was alleine schon der gesunde Menschenverstand gebietet: nämlich, dass unterschiedliche Zielgruppen nur auf spezifische Ansprache reagieren. Einige wenige Beispiele:

Der quartalsweise durchgeführte ABSOLVENTA Generation Y-Barometer hat herausgefunden, dass mehr als acht von zehn Kandidaten der Generation Y gerne im Ausland arbeiten würden – weit mehr als die ältere Generation. Ein wichtiger Anknüpfungspunkt also für Arbeitgeber, die dies ermöglichen können.

Wichtig für den Recruiting-Prozess: Gemeinsam mit der LMU in München fanden wir heraus: Mehr als 70 Prozent der Generation Y nutzen mobile Endgeräte zur Jobsuche – nur knapp 30 Prozent der Kandidaten über 45. Das Thema der mobilen Bewerbung ist schon jetzt ein absolut aktuelles für Berufsstarter. Arbeitgeber, die hier keine Konzepte entwickeln, verlieren wichtige Kandidaten.

Für 80 Prozent der Generation Y ist vor allem das Thema Work-Life-Balance wichtig – ein enormer Unterscheidungspunkt im Vergleich zur älteren Generation. Immerhin diesen Umstand nennen auch die Kölner Wissenschaftler in einem Nebensatz in ihren Studienergebnissen. Dabei liegt gerade hier der wahrscheinlich wichtigste Unterschied. Es ist nicht neu, offenbar muss es trotzdem erwähnt werden: Knapp 70 Prozent der Generation Y wollen mehr Flexibilität in ihrer Arbeitszeit – mehr Home Office, flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zu einem Sabbatical. Wer hier als Arbeitgeber keine Lösungen anbietet und stattdessen auf tradierte Arbeitsmodelle setzt, verliert die nachrückende Generation.

Dies sind nur drei Beispiele von besonderen Positionen, die die Generation Y einnimmt. Man könnte an dieser Stelle lange über die Nutzung von sozialen Netzwerken im Internet sprechen, die Nutzung mobiler Endgeräte detailliert beschreiben oder die demographische Entwicklung und die daraus resultierende klar veränderte Position der jungen Arbeitsmarktgeneration beleuchten. All das sind allerdings längst anerkannte Fakten – Fakten allerdings, die offenbar noch nicht in allen Instituten angekommen sind. Es ist die Aufgabe aller Marktteilnehmer, sie zu den Arbeitgebern zu tragen, damit die Rekrutierung von qualifizierten Kandidaten gelingt und sich am Ende niemand wundern muss, warum das nicht der Fall ist. 

Über den Autor:

Christoph Jost Generation YChristoph Jost ist Gründer und Geschäftsführer von ABSOLVENTA Jobnet. Die Dachmarke vereint die drei Spezial-Jobbörsen absolventa.de, trainee-geflüster.de und praktikum.info. In "Josts Kolumne" greift er einmal monatlich Recruiting-Themen rund um die Generation Y auf.