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Ist die Zukunft der klassischen Online-Jobbörsen bedroht?

von Wolfgang Brickwedde

Vor welchen aktuellen Herausforderungen stehen klassische Jobbörsen?

Eine von drei Stellen kann aktuell lt. Recruiting Report 2012 mit Hilfe von Online-Jobbörsen besetzt werden. Damit ist dies der wichtigste Kanal für Unternehmen bei der Personalbeschaffung. Dieser Wert hält sich seit Jahren stabil. Aber was müssen Jobbörsen angesichts der sich verändernden Rahmenbedingungen tun, um diesen Wert auch in Zukunft halten oder sogar ausbauen zu können?

Wie sieht das klassische Geschäft der Online-Jobbörsen aus?

Aus Arbeitgebersicht ist das relativ einfach: Jobbörsen werden mit einem festen Preis dafür bezahlt, dass sie eine Stellenanzeige posten und verbreiten, die zu Aufmerksamkeit der aktiv suchenden Bewerber führt, was zu Bewerbungen und Einstellungen führen soll. Aber was passiert, wenn sich der Markt verändert, gerät dieses Geschäftsmodell in Gefahr?

Wie verändert sich der Markt? – Herausforderungen von allen Seiten

Verschiedene Faktoren bestimmen das Marktumfeld für klassische Jobbörsen. Einige davon werden im Weiteren beleuchtet.

Demografische Entwicklung verringert Anzahl aktiv suchender Bewerber

Die demografische Entwicklung lässt die potentielle Bewerberbasis abschmelzen, da die durchschnittliche Jahrgangsstärke sich im Vergleich zu zehn Jahren zuvor halbiert. Die Bewerberbasis setzt sich zusammen aus den aktiv Arbeitsuchenden ohne aktuelle Beschäftigung und denen, die aufgrund privater oder wirtschaftlicher Gründe nach einer neuen Stelle suchen. Sollte keine konjunkturelle Delle mehr auf uns zukommen, nimmt die Bewerberbasis aus demografischen Gründen kontinuierlich ab.

Kunden fordern erfolgsabhängigere Zahlungsmodelle

Kunden fordern mehr erfolgsabhängige Zahlungsmodelle: Bei XING wird z.B. mit der Bezahlung nur der tatsächlichen Klicks auf eine Stellenanzeige experimentiert; bei Indeed, dem Newcomer im deutschen Jobbörsenmarkt,  ist dies bereits das Geschäftsmodell.

Ob das bei den Arbeitgebern ankommt, sei noch mal dahingestellt, die Idee ist charmant, bei XING soll es aber nicht so gut angenommen worden sein. Doch es kommt noch schlimmer: Einige Kunden - und dies sind nicht gerade kleine Player im Markt - wollen nur noch für Bewerber zahlen! Dies wäre ein völlig neues Geschäftsmodell, wobei die Umstellung sicherlich nicht von heute auf morgen funktioniert, wenn überhaupt.

Jobsuchmaschinen stehen hoch in der Bewerbergunst

Und der Druck nimmt weiter zu: Jobsuchmaschinen können mit mehr Stellenangeboten punkten. So haben kimeta und icjobs zwischen 1,6 und 2,3 Mio. Stellenangebote aufzuweisen, gegenüber 60.000 bis 100.000 bei den Marktführern Stepstone und Monster. Dies führt zu einer systembedingt besseren Suchqualität für Bewerber, wie die Ergebnisse von Deutschlands Beste Jobportale 2012 zeigen.

Spezial-Jobbörsen erodieren die Kundenbasis der klassischen Jobbörsen

In Deutschland gibt es ca. 1600 Online-Jobbörsen, darunter viele Spezialjobbörsen, die auch ein größeres Stück vom Kuchen haben möchten. Sie spezialisieren sich auf eine lukrative Nische (z.B. Mittelstand, Absolventen, Hotellerie, Ingenieure, IT oder auch Recruiter) und können aufgrund ihrer Spezialisierung die Zielgruppen genauer ansprechen.

Wer sind die besten Jobbörsen Deutschlands?

Bei 1600 Jobbörsen ist die Transparenz, welche die passende Jobbörse für die jeweiligen Stellenangebote ist, nur gering. Einen Pfad in diesen Dschungel schlägt der Qualitätswettbewerb „Deutschlands Beste Jobportale“ (www.deutschlandsbestejobportale.de), der die Nutzung und die Zufriedenheit bei Bewerbern (bisher über 21.000 Teilnehmer) und Arbeitgebern (über 1300 angegebene Urteile) misst und die begehrten Gütesiegel verleiht.

Social Media ist kein Angstgegner mehr

Nur auf einem Feld gibt es etwas Erleichterung: Die frühere Angst vor Social Media hat sich mittlerweile wieder etwas gelegt, nachdem klar wurde, dass die Einstellungen über Social Media-Recruiting zwar deutlich wachsen (von Platz 7 auf Platz 3 der Einstellung lt. Social Media Recruiting Report 2013), aber nicht auf Kosten der Jobbörsen, die Ihren Platz gut verteidigen konnten.

Mit ein bisschen Nachdenken macht das auch durchaus Sinn: Jobportale adressieren diejenigen, die  aktiv auf der Suche nach einem Arbeitsplatz sind. In Sozialen Netzwerken wie XING und LinkedIn können Firmen zwar auch Anzeigen schalten, aber dort gehen die Arbeitgeber eher gezielt auf die proaktive Suche nach potentiellen, latenten neuen Mitarbeitern. Es werden mit diesen beiden Recruiting-Kanälen einfach unterschiedliche Zielgruppen angesprochen.

Mobile Recruiting – proaktiv angenommene Herausforderung

Bereits heute greifen ca. 20 bis 30 Prozent der Bewerber mit mobilen Endgeräten auf die Jobbörsen zu. Die Herausforderung des „Mobile Recruiting“ haben die Jobbörsen mit Job-Apps und mobil „verträglichen“ Webseiten bereits gut angenommen. Den einen Teil des Mobile Recruiting - das leichte Finden von Stellenangeboten auf mobilen Endgeräten - beherrschen viele Jobbörsen schon recht gut.

Jetzt gilt es aber auch, die leichte und einfache Bewerbung möglich zu machen. Vielleicht hilft da eine Kooperation mit XING oder LinkedIn und ihren jeweiligen „Apply with“-Lösungen? Dies ermöglicht Bewerbern den Arbeitgeber ihr Profil bei XING oder LinkedIn einfach mit dem Drücken eines Buttons zur Verfügung zu stellen. Diese Variante ist auch datenschutzrechtlich elegant gelöst.

Arbeitgeber suchen proaktiv nach Kandidaten

Immer mehr Arbeitgeber machen die Erfahrung, das Stellenanzeigen, ob Online oder Print, nicht mehr die gewünschte Menge und/oder Qualität an Bewerbern bringen. Daher suchen sie selbst proaktiv (2010: 10%, 2012: 25% lt. Social Media Recruiting Report 2013) nach Kandidaten - z.B. in Sozialen Netzwerken oder über Mitarbeiterempfehlungsprogramme. Falls dieser Trend anhält, kann auch das zu einer Verringerung der Schaltung von Stellenanzeigen führen.

Preisentwicklung bei Stellenanzeigen

Wie immer ist die „Preiswürdigkeit“ abhängig vom Ergebnis, d.h. von der Anzahl und Güte der Bewerber. Diese Zahl wird von der Güte der Stellenanzeige und der Attraktivität des Arbeitgebers beeinflusst. Falls die Stellenanzeigen aber nicht liefern, dann sind auch vermeintlich günstige Preise noch zu hoch! Umgekehrt kann eine teure Anzeige ihren Preis wert sein, wenn sie das gewünschte Ergebnis liefert. Insofern zeigt sich hier wieder die Schere zwischen höheren Ansprüchen der Kunden und einer immer schwieriger zu erreichenden Klientel der Bewerber.

Fazit

Wenn der Markt der aktiv suchenden Bewerber deutlich zurückgeht, müssen Jobbörsen zukünftig auch die latent Suchenden erreichen können. Daher gilt die Herausforderung für die Jobbörsen, in Zukunft „sozialer“ und noch mobiler zu werden, um weiterhin zufriedene Kunden zu haben. Kooperationen mit den Sozialen Netzwerken sind da ein gangbarer Weg.

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