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Teil 1: 11 Ideen, was Unternehmen von der Nachwuchsgewinnung im Profi-Fußball lernen können

von Christoph Athanas


Viele Unternehmen benötigen dringend gute Mitarbeiter, die ihnen helfen, ihre Ziele zu erreichen. Genauso ist dies bei Profi-Fußballvereinen, nur dass dort natürlich die Spieler im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Viele Clubs haben im Verlauf des letzten Jahrzehnts äußert effektive Verfahrensweisen entwickelt um Top-Talente zu rekrutieren und sie zu bestmöglichen Leistungen zu führen. Wie ich gelegentlich auf meinen metaHR-Blog durchblicken lasse, habe ich nicht nur Leidenschaft fürs Recruiting, sondern bin auch Fußballfan. Grund genug für mich, diese beiden Bereiche mal miteinander in Beziehung zu setzen. Und hier sind sie nun: Elf Gedanken und Analogien, was Recruiting aus dem professionellen Vorgehen der Top-Clubs des Rasensports lernen kann.

Lesen Sie hier Teil 1 dieses Beitrages mit den ersten 5 von insgesamt 11 Punkten:
 

1) Scouting A: Wettbewerber beobachten

Ein Aspekt, der im Recruiting sicher noch weniger verbreitet ist, als in der Welt des Fußballs. Wenn ich im Rahmen meiner Beratungsarbeit mit Personalern spreche, höre ich erstaunlich selten, dass diese ihre wichtigsten Wettbewerber und deren Personalbeschaffungsmaßnahmen genau beobachten. Warum nur? Es sind genau jene  Organisationen, welche regional und/ oder branchenspezifisch mit Ihrem Unternehmen um Bewerber buhlen.

Im Fußball würde man sagen: Die Punkte werden nur einmal verteilt und wir müssen wissen, wie die anderen spielen, damit wir uns entsprechend vorbereiten können. Es lohnt sich im Recruiting genauso zu wissen, was die wichtigsten Wettbewerber tun, um angemessen reagieren zu können. Sie können so bspw. Feststellen, auf welchen Rekrutierungsfeldern Wettbewerber noch nicht aktiv sind oder wie diese auftreten.


2) Scouting B: Spieler sichten

Profivereine wie etwa der FC Barcelona oder der FC Bayern München, welche die Champions League dominieren, sind auf jeder Position mindestens doppelt besetzt. Aber selbst über diesen personellen Luxus hinaus wissen die Vertreter der Clubs, und nicht nur bei den Top-Clubs, stets mehrere interessante potentielle Kandidaten zu benennen. Für jede Position im Team! Rechtes Mittelfeld? Klar, hier wären drei Kandidaten, ein Perspektivspieler, ein gestandener Spieler und hier ein Top-Akteur… Verantwortlich dafür sind die Talent-Scouts, welche im Auftrag der Clubs Spiele und Trainings anderer Clubs besuchen oder Videomaterial sichten. Ergebnis davon sind stets verfügbare, aktuelle Listen für bestimmte Spielerpositionen oder Spielertypen.

Und im Recruiting? Wenn Sie den Profi-Clubs nacheifern wollen, sichten Sie profilbezogen den Markt und erstellen sie Target-Listen, wo entsprechend interessante Kandidaten arbeiten. So sind sie gerade bei spezialisierten Engpassprofilen in der Lage, sofort zu reagieren. Übrigens: Was meinen Sie wie die Fachabteilung das findet?! Dieses Target-Searching muss nicht zwingend von der Recruitingabteilung selbst geleistet werden. Lassen Sie quasi eigene Talent-Scouts für sich arbeiten: Ein Einsatz spezieller Dienstleister bietet sich hierzu an.

Recruiting-Ideen aus dem Profifußball
Ins Netz gegangen: Mit der Adaption von Recruiting-Taktiken aus dem Profi-Fußball können Sie mehr Kandidaten bekommen.


3) Contracting: Talente frühzeitig verpflichten

Wenn man sein Scouting als Fußballclub gut betreibt, ist im Hinblick auf Nachwuchsspieler der nächste Schritt logisch: Die werden möglichst früh an den Verein gebunden. Lionel Messi bekam seinen ersten Vertrag bereits mit 13! Keine Sorge, ich möchte hier nicht dafür werben, Kinderarbeit zu fördern. Keinesfalls. Allerdings lautet das Learning aus dem Fußball für pfiffige Unternehmen, junge Talente so früh es geht an sich zu binden.

Oft wird dies weniger ein richtiger Vertrag sein (wobei Studenten- oder Schülerjobs durchaus diese Variante abbilden können). Andere Aktivitäten stehen wohl zunächst im Vordergrund. Aktivitäten, welche die Karriere der kommenden Arbeitnehmer potentiell fördern und ihre Interessen bedienen. Das kann bspw. Bewerbertraining umfassen, genauso wie Maßnahmen zur Berufsorientierung oder das Zusammenbringen zu Fun-Events. Die Grundsteinlegung für eine spätere Zusammenarbeit findet frühzeitig statt und zwar über positive Emotionen und im Ideal über eine gute Beziehung zu einer Person aus dem Unternehmen.

 

4) Jugendakademie

Jeder Proficlub der 1. und 2.Bundesliga ist verpflichtet, eine eigene Jugendakademie zu unterhalten, ein sog. Jugendleistungs-Zentrum. Unter anderem diese Maßnahme hat dem deutschen Fussball nach den schwachen EM-Auftritten von 2000 und 2004 sehr geholfen und mittlerweile eine Fülle guter junger Spieler hervorgebracht. In welcher Form können Unternehmen dieses Prinzip adaptieren? Ein sicherlich guter Weg ist es, gezielt Fachbereiche des Unternehmens mit regionalen Aus- und Weiterbildungsinstitutionen dauerhaft zusammen zu bringen. Die Übernahme von Lehrtätigkeiten an Fachhochschulen durch Experten aus dem Unternehmen oder das Sponsoring von Maßnahmen an Schulen zur Berufsbildung und –orientierung sind hierzu die Klassiker.

Manche gehen aber auch hier ungewöhnliche Wege. Unternehmen aus der Metallbranche bspw. geben Schulabbrechern gezielt eine Chance auf eine Ausbildung und setzen dazu Ausbildungs-Coaches ein. Die Teilnehmer des Programms zahlen dies häufig mit besonderer Dankbarkeit und großem Engagement zurück.

 

5) Für gute Eingliederung sorgen

Recruiting endet nicht mit der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag. Das wissen Fussballvereine nur zu gut. Sie wollen genauso wie Unternehmen ihre neuen Mitarbeiter möglichst schnell produktiv bei der Arbeit haben. Sie wissen, dass dies meist umso besser geht, je einfacher den Neuen ihre Eingliederung gemacht wird.

Das betrifft natürlich das Onboarding im Job selber. Sehr löblich! Doch Fußballclubs gehen viel weiter: Natürlich muss auch die Familie des neuen Spielers versorgt sein, sich wohl und angekommen fühlen. Unternehmen können dies ebenso tun: Angefangen von der Relocation-Komplettlösung bis hin zu einzelnen kleinen Unterstützungen speziell für neue Mitarbeiter, die aus anderen Regionen oder gar anderen Ländern gewonnen wurden. Eine solche Hilfe im Hinblick auf z.B. Kindergarten oder Wohnungsfragen kann natürlich außerdem auch schon vor einem Vertragsschluss ein zusätzlicher Pluspunkt sein.

 

Lesen Sie jetzt den zweiten Teil dieser Serie mit 6 weiteren Ideen hier auf jobnet.de.

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