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1&1 im Interview: IT-Recruiting per Gamification und "Fehlermeldung"

Als ich mich kürzlich in meinen privaten web.de-E-Mail-Account einloggen wollte, staunte ich nicht schlecht. Grund dafür war weniger, dass der Login aufgrund eines technischen Problems nicht auf Anhieb funktionierte, auch wenn das bei web.de sehr selten vorkommt. Viel überraschender war eine Art Stellenanzeige, die sich unter dem Entschuldigungs-Text für den fehlgeschlagenen Login befand (siehe Bild).


IT-Recruiting bei web.de: "Mit Ihnen wäre uns das nicht passiert?"


Unter dem Motto "Mit Ihnen wäre uns das nicht passiert?" wirbt das Unternehmen 1&1 (welchem web.de gehört) dort um IT-Fachkräfte. Doch das ist nicht der erste kreative Recruiting-Ansatz des Kommunikationskonzerns. Im Interview erzählt Rüdiger Becker, Head of HR Marketing und Resourcing, wie man auf solche Ideen kommt und was sie schlussendlich bringen.
 

Herr Becker, wie kommt man auf die Idee, IT-Mitarbeiter per „Fehlermeldung“ zu rekrutieren? 

Ein teures Agenturkonzept steckt nicht dahinter. Viel mehr kam die Idee direkt aus der IT-Abteilung. Bei 1&1 verstehen wir Recruiting als gemeinsame Aufgabe und Herausforderung und freuen uns über Impulse aus den Fachabteilungen. Die „Hiring Manager“ verstehen die Zielgruppe schließlich meistens viel besser. 

 

Die Stellenanzeige in der Statusmeldung spiegelt zudem auf augenzwinkernde Weise unsere Unternehmenskultur wider und passt sich so perfekt in unser Personalmarketing ein. Wir gehen hier sehr offen und konstruktiv mit Fehlern um und wollten dies potentiellen Bewerbern verdeutlichen. Die Idee, die Meldung als Recruiting-Kanal zu nutzen, haben wir deshalb schnell umgesetzt.

 

Haben Sie schon Bewerbungen über diesen Kanal erhalten?

Es steht keine detaillierte Zielgruppenplanung hinter dieser Maßnahme und wir tracken sie auch nicht konkret. Wir haben jedoch schon positives Feedback bekommen. Insgesamt nutzen wir diese Möglichkeit auch weniger zum konkreten Recruiting, sondern als charmante Art und Weise, Kandidaten anzusprechen. 
 

Die „Fehlermeldung“ ist nicht der erste kreative Recruiting-Kanal, den 1&1 nutzt. Welche Erfahrungen haben Sie auf diesen innovativen Wegen gemacht?

Was das angeht, sind wir sehr experimentierfreudig und gehen auch mal kalkulierbare Risiken ein. Der überwiegende Teil der Rückmeldungen ist aber sehr positiv. Vor allem die CodeCaching-Aktion wird sehr gut aufgenommen. In der Beschreitung innovativer Wege steckt natürlich auch ein großes Lernpotential. Wir sind immer offen für Feedbacks der Teilnehmer und haben auch schon Optimierungsvorschläge umgesetzt.

 

In den verschiedenen Events sehen wir vor allem die Möglichkeit, unsere Arbeitgebermarke zu positionieren. Wir haben zum Beispiel immer Mitarbeiter von uns dabei, die sich mit den Kandidaten fachlich austauschen und aus unserem Arbeitsalltag berichten. Das kommt sehr gut an, weil es konsistent ist. So konnten wir auch die eine oder andere Bewerbung direkt aus den Events generieren, vom Marketingeffekt ganz zu schweigen. 
 

Rüdiger Becker, Head of HR Marketing und Resourcing: "Wir verstehen Recruiting als gemeinsame Aufgabe des ganzen Unternehmens."

 

Sie streben damit also eher langfristige Effekte beim Personalmarketing an.

Im Vordergrund steht sicherlich, unsere Arbeitgebermarke darstellen und prägen zu können. Das wirkt mittel- bis langfristig. Uns geht es weniger darum, noch am gleichen Abend frische Arbeitsverträge unterschreiben zu können, denn so würden wohl eher kurzlebige Verbindungen geschlossen. Unser Ziel ist es, 1&1 als Arbeitgeber bekannter und interessanter zu machen. Viele Leute kennen unsere Telekommunikationsprodukte und wissen gar nicht, dass 1&1 auch eine innovative IT-Firma mit einem großen Softwareentwicklungs- und IT-Bereich ist. 

 

Wir erwarten bei solchen Maßnahmen nicht zwingend einen direkt messbaren Return on Investment, auch wenn wir mit einer gewissen Bewerberquote pro Event rechnen. Wir möchten vor allem eine angenehme Umgebung schaffen, um authentische Gespräche und Diskussionen zwischen Fachabteilung, HR-Abteilung und Kandidaten zu ermöglichen. 

 

Welche Zielgruppen erreicht man mit solchen Recruiting-Events Ihrer Meinung nach am besten?

Hauptsächlich erreicht man mit dieser modernen Recruiting-Form natürlich Studenten und Absolventen. Wir denken allerdings weniger in Alterszielgruppen, sondern vielmehr fachlich. Gerade aus der IT-Branche nehmen regelmäßig auch Professionals mit einigen Jahren Berufserfahrung an unseren Events wie dem CodeCaching teil. Fachliche Themen spielerisch zu verfolgen ist schließlich keine Frage des Alters.  

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Becker.  

 

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