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Mangelnde Mitarbeitermotivation kostet Wirtschaft rund 100 Milliarden Euro

von Daniel Furth


98,5 Milliarden bis 118,4 Milliarden Euro – soviel kostet mangelnde Mitarbeitermotivation die deutsche Volkswirtschaft laut einer Schätzung des Marktforschungsunternehmens Gallup jährlich. In seinem Mitarbeiter Engagement Index erfasst das Unternehmen seit 13 Jahren die Stimmung unter deutschen Arbeitnehmern. Dabei unterteilt die Studie die Mitarbeiter in drei Gruppen: hohe emotionale Bindung (an das Unternehmen), geringe emotionale Bindung, keine emotionale Bindung – und jedes Jahr fördert Gallup aus Personalersicht Horrorzahlen zutage.

So weisen in der aktuellen Studie gerade einmal 16 Prozent der Befragten eine hohe emotionale Bindung auf. 67 Prozent dagegen zeigen nur eine geringe emotionale Bindung, 17 Prozent überhaupt keine. Und damit hat sich die Lage sogar noch verbessert. Zwischen 2009 und 2012 lag die Gruppe ohne jegliche emotionale Bindung stets bei über 20 Prozent – mangelnde Mitarbeitermotivation ist somit ein andauerndes Problem für Personalabteilungen, wie die folgende Übersicht zeigt. 

Mitarbeitermotivation Gallup


Mitarbeitermotivation als Wettbewerbsfaktor

Die teuerste Folge fehlender Mitarbeitermotivation ist die erhöhte personelle Fluktuation. Gallup hat errechnet, dass diese Fluktuation Unternehmen mit 500 Mitarbeitern rund 717.000 Euro im Jahr kostet, Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitern 2,9 Millionen Euro und Unternehmen mit 30.000 Mitarbeitern 43,3 Millionen Euro. So wollen laut Studie 55 Prozent der Angestellten mit keiner Bindung innerhalb der nächten zwölf Monate kündigen, bei jenen mit geringer Bindung sind es noch 24 Prozent. Nur 34 Prozent beziehungweise 61 Prozent der beiden Gruppen können sich vorstellen, auch in drei Jahren noch beim aktuellen Unternehmen zu sein.

Verstärkt wird diese Stimmung durch ein neues Selbstbewusstsein auf Seiten der Mitarbeiter. Demnach rechnen sich 59 Prozent aller Befragten gute bis sehr gute Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz aus, wenn sie ihre aktuelle Stelle morgen verlieren würden. 2010 lag diese Zahl noch bei 52 Prozent, 2006 gar nur bei 35 Prozent. Davon abgesehen halten 45 Prozent ihren Job für sicherer als im Jahr zuvor, 46 Prozent sagen, er sei ungefähr so sicher. 

Die Grafik zeigt, warum es sich lohnt, für eine gute Mitarbeitermotivation zu sorgen und Fluktuation zu verhindern:

Benefits hoher Mitarbeitermotivation

Mangelnde Mitarbeitermotivation drückt nicht nur aufs Personalbeschaffungsbudget. Neben den reinen Kosten für die Neubesetzung der Stelle sowie die unproduktive Einarbeitungszeit verursacht die Kündigung eines demotivierten Angestellten auch eine mangelnde Mitarbeitermotivation bei den verbliebenen Kollegen.

So entsteht beispielsweise durch Mehrarbeit ein schlechtes Betriebsklima, das einen negativen Einfluss auf die Personalbeschaffung zeigt: Imageverlust durch negative Mund-zu-Mund-Propaganda. Denn so günstig Mitarbeiterempfehlungen im positiven Fall als Recruiting-Tool sein können, umso teurer bezahlt man negative Propaganda (z.B. auf kununu) mit einer schlechten Reputation der Arbeitgebermarke. Nur vier Prozent aus der Gruppe der Befragten ohne emotionale Bindung zum Unternehmen würden ihren Arbeitgeber weiterempfehlen, von jenen mit einer hohen Bindung würden das hingegen 66 Prozent tun. 


Gründe für fehlende Mitarbeitermotivation

Einer der Gründe für mangelnde Mitarbeitermotivation ist Stress am Arbeitsplatz. 36 Prozent hatten demnach in den 30 Tagen vor der Befragung das Gefühl, aufgrund von Arbeitsstress ausgebrannt zu sein; selbst bei Teilzeitkräften bestätigt das ein gutes Drittel. Emotionale Bindung zum Unternehmen könnte der Stressbelastung entgegenwirken, denn während sich "nur" 29 Prozent der Befragten mit hoher Unternehmensbindung gestresst fühlten, steigt der Wert in der Gruppe ohne Bindung auf 58 Prozent an. 

Am wichtigsten für die Mitarbeitermotivation ist aber der Umgang untereinander – vor allem mit den Vorgesetzten. Auch hier zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen den drei Gruppen. 41 Prozent der demotivierten Mitarbeiter ohne Bindung würden ihre Vorgesetzen am liebsten sofort entlassen, hochmotivierte Mitarbeiter scheinen dagegen ein ausgezeichnetes Verhältnis zum Vorgesetzten zu haben: nur zwei Prozent wollen ihre Chefs loswerden, bei jenen Angestellten mit geringer Bindung sind es zehn Prozent. Knapp die Hälfte der demotivierten Angestellten hat zudem in den letzten zwölf Monaten darüber nachgedacht, wegen ihrer Vorgesetzten das Unternehmen zu verlassen.

Insgesamt sorgen Chefs allerdings für eine gute Mitarbeitermotivation – 67 Prozent aller Befragten sind mit Ihnen zufrieden oder äußerst zufrieden. Übrigens macht es diesbezüglich keinen Unterschied, ob der/die Vorgesetzte ein Mann oder eine Frau ist. 

So beurteilen Mitarbeiter ihre Chefs


Mitarbeitermotivation verbessern

Die Gallup-Studie macht deutlich: Fehlende Bindung und eine mangelhafte Mitarbeitermotivation verursachen hohe Kosten und unnötige Arbeit. Zudem scheint es in jedem Unternehmen eine mehr oder weniger große Gruppe demotivierter Angestellter zu geben.

Lesen Sie hier unsere 10 Tipps, wie Sie die Bindung Ihrer Mitarbeiter ans Unternehmen stärken und die Mitarbeitermotivation verbessern können 


 

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