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Ist Social Media Recruiting tot? Aktuelle Studien im Überblick

von Daniel Furth


Es hätte so einfach sein können: ein Firmenprofil auf Facebook, ein paar Kurzmeldungen auf Twitter, Active Sourcing auf Xing und LinkedIn und obendrauf ein wenig Google+, Youtube und Pinterest. Goldgräberstimmung herrschte bezüglich Social Media Recruiting in deutschen HR-Abteilungen. Doch nachdem in den letzten zwei Jahren bereits viele Recruiter und Personalmarketer auf dem Boden der sozialen Tatsachen gelandet waren, wird die gefühlte Ernüchterung durch die Social Media Recruiting Studie 2014 von Eva Zils (Online-Recruiting.net) bestätigt. Für diese hat sie 422 Recruiter und Personalmarketer befragt. Zudem legte die Personalmarketing-Agentur embrander kürzlich ihre Social Media Personalmarketing Studie vor, die neben den Unternehmen auch das Nutzungsverhalten der Studenten untersucht. 

Demnach zeichnet sich ab: Social Media Recruiting ist tot. Oder zumindest auf ein Minimalmaß reduziert. Der einzige soziale Kanal, den deutsche Personaler für das Recruiting wirklich nutzen, ist – welch Überraschung – Xing. Rund die Hälfte der Befragten sucht dort gelegentlich oder regelmäßig mit Firmenprofil und Jobanzeigen nach neuem Personal.

Doch an der Nutzung des 'Xing Talent Manager' zeigt sich bereits, dass selbst im bekanntesten Karrierenetzwerk Deutschlands direktes Recruiting eher selten genutzt wird. Nur ein Viertel der Befragten geht demnach mit dem Active Sourcing-Tool auf die Jagd. Auch LinkedIn wird trotz seines Wachstums im DACH-Markt kaum genutzt. Rund 70 bis 80 Prozent (je nach LinkedIn-Produkt) gaben an, den US-Konkurrenten von Xing "gar nicht" im Social Media Recruiting zu nutzen. Auch Kununu wird von 70 Prozent der Personaler links liegen gelassen.

Social Media Recruiting scheint vorerst gestorben zu sein
Investitionen in Social Media werden beim Recruiting wieder zurückgeschraubt
 

Social Media Recruiting – tote Hose auf Facebook und Co.

Noch weniger ist in Sachen Personalbeschaffung in den "echten" Social Media-Netzwerken los, also jenen, die unabhängig von Karriere- und Recruiting-Gedanken geschaffen wurden. So gaben 76 Prozent der Befragten an, Twitter "gar nicht" zu nutzen. Bei Pinterest (77%), Google+ (82%) und Youtube (78%)  engagieren sich deutsche Personaler noch weniger. 

Für eine Facebook-Karrierepage konnten bisher 67 Prozent der Recruiter und Personalmarketer kein Geld, keine Zeit oder keine Muse aufbringen. Auch Facebook-Anzeigen werden von 79 Prozent nicht genutzt. 

Und wie sehen die Kandidaten Social Media Recruiting Aktivitäten von Unternehmen? Laut der embrander-Studie nutzen nicht mal die Hälfte Unternehmensseiten (45%) oder Karriereseiten (33%) in den Social Media auf der Suche nach Jobs und Karriereinformationen. 12 Prozent gaben an, sich Arbeitgeber-Videos auf Youtube anzusehen. Das ist alles in allem eine Steigerung gegenüber der Vorgänger-Studie von 2010, allerdings keine, die die Anstrengungen der Unternehmen beim Social Media Recruiting rechtfertigen könnten. Denn die Studie zeigt auch: Das Social Media Recruiting Angebot der Unternehmen ist größer als die Nachfrage bei den Kandidaten, vor allem bei Studenten. Immerhin gaben 26 Prozent der befragten Studenten an, dass Arbeitgeber bei ihnen durch Social Media Recruiting Aktivitäten an Attraktivität gewonnen hätten.
 

Social Media Recruiing: Nutzung durch Studenten
Social Media spielen bei der Jobsuche auf Kandidatenseite eine untergeordnete Rolle (Bild: embrander)



Kein Geld und keine Zeit für Social Media Recruiting

Eine Erkenntnis, die auch in den Personalabteilungen angekommen zu sein scheint. Ein Hinweis auf die relative Bedeutungslosigkeit von Social Media im Recruiting-Mix der Unternehmen ist vor allem die Budgetfrage: Laut Eva Zils' Studie bekamen 57 Prozent der Befragten gar kein Budget mehr (gleiche Studie 2012: 45%), 22 Prozent durften bis zu 5.000 Euro für Social Media ausgeben (2012: 24%). Größere Budgets bis 20.000 Euro durften weniger als die Hälfte der Befragten im Vergleich zur letzten Studie einsetzen (5% zu 10%). 

Zudem spielt der Faktor Zeit eine Rolle. Zwar sagen die befragten HR-Manager, dass Social Media Recruiting sich zur Mitarbeitersuche eigne, halten es aber in einem gleichen Maße für zeitaufwendig. Doch scheinen deutsche Personalabteilungen diese Zeit nicht zu haben, zumindest nicht mehr: 2012 gaben nur 6 Prozent der Befragten an, "gar keine Zeit" in Social Media zu verbringen. In der Studie 2014 schwoll dieser Wert auf 24 Prozent an. Daneben zeigt die Studie, dass Recruiter im Vergleich zu 2012 wieder verstärkt auf klassische Jobbörsen sowie interne und externe Lebenslaufdatenbanken zurückgreifen. Alles in allem konnte sich Social Media Recruiting – zumindest für den Moment – trotz des großen Hypes nicht durchsetzen. 

Ein etwas anderes Bild zeigt die Social Media Personalmarketing Studie von embrander. Dort gaben die 128 befragten Unternehmen zwar an, mit dem Social Media Recruiting heute zufriedener als früher zu sein. Das könnte allerdings ein Hinweis darauf sein, dass man die früher hochtrabenden Erwartungen auf ein realistischeres Maß reduziert hat und somit eher Erfolge verbuchen kann, zumal der Referenzwert aus dem Jahr 2010 stammt – einer Zeit der Social Media-Euphorie. Hinsichtlich des Employer Branding zeigten sich die Unternehmen in der Social Media Personalmarketing Studie hingegen weniger zufrieden als 2010.


Social Media Recruiting oder Social Media Personalmarketing?

Ob man den Begriff „Social Media Recruiting“ weiter groß spielen sollte, ist zu überdenken. Passender wäre wohl „Social Media Personalmarketing“. Darauf zielen laut embrander-Studie auch die Aktivitäten der meisten Unternehmen ab. Ihnen geht es mehr um die Bekanntheit und Stärkung der Arbeitgebermarke nach innen und außen als um die konkrete Besetzung offener Stellen. Die geringe Nutzung von Social Media bei der Jobsuche seitens der Kandidaten ist denn auch als Hinweis zu sehen, dass sie nicht unbedingt direkt angesprochen werden wollen, z.B. durch Active Sourcing auf Facebook
 

Social Media Recruiting: Ziele der Unternehmen
Unternehmen betreiben eher Personalmarketing als Recruiting in Social Media (Bild: embrander)


Hinweis (06.06.2014): Dieser Artikel bezog sich ursprünglich nur auf die Social Media Recruiting Studie von Eva Zils. Die Erkenntnisse aus der Social Media Personalmarketing Studie von embrander wurden nachträglich ergänzt. Die Userkommentare beziehen sich auf die ursprüngliche Version des Artikels.

 

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