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War for Talents | Wettstreit um die klügsten Köpfe

von Lukas große Klönne

Die Unternehmen haben den „War for Talents“ ausgerufen, denn angesichts des demographischen Wandels droht der heimischen Wirtschaft ein Fachkräftemangel. Dieser gefährdet den Wirtschaftsstandort Deutschland, denn unsere Wirtschaftskraft fußt nicht auf Rohstoffen wie Öl, Kohle oder seltenen Erden. Stattdessen zieht Deutschland seine wirtschaftliche Stärke vor allem aus seinem „Human Resources“, seinem Humankapital. Firmen, die ihre offenen Stellen nicht mit qualifiziertem Personal besetzten können, verlieren an Innovationskraft und Konkurrenzfähigkeit.
 

Ursachen für den War for Talents

In Folge des Geburtenrückgangs kommen in Zukunft immer weniger junge Menschen nach Schule und Studium auf den Arbeitsmarkt. Zudem schließt im Schnitt nur etwa ein Drittel eines Jahrgangs ein Studium erfolgreich ab. Die Arbeitslosenquote von Akademikern ist seit Jahrzehnten gering. Einer Untersuchung der Hochschul-Informations-Systems (HIS) aus dem Jahr 2013 beträgt die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventen fünf Jahre nach dem Abschluss nur ein Prozent. Doch weitere schlechte Umstände erschweren die Personalbeschaffung. Neben der ohnehin guten Situation für Akademiker auf dem Arbeitsmarkt und dem demographischen Wandel wirkt sich auch die Verschiebung der Beschäftigungsstruktur in den Wirtschaftssektoren aus und verstärkt den War for Talents.In der Historie gab es seit dem 20. Jahrhundert hierzulande eine stetige der Verschiebung der Beschäftigten zwischen den Wirtschaftssektoren: vom Primärsektor (v.a. Land- und Forstwirtschaft) zum Sekundären Sektor (Industrie) zum Tertiären Sektor (Dienstleistungen). Diese setzte sich nun durch einen Übergang zum Quartären bzw. Informationssektor fort.
 

Hohe intellektuelle Ansprüche im Quartären Sektor

Hierzu zählen Jobs aus dem Bereich des tertiären Sektors, die besonders hohe intellektuelle Ansprüche an die Arbeitnehmer stellen und ausgeprägte Verantwortungsbereitschaft erfordern. Dazu zählen u.a. Ingenieure, Rechtsanwälte, Wirtschaftsberater, Steuerberater, Heil- und Erziehungsberufe, IT-Dienstleistungen und Hochtechnologie wie Biotechnologie oder Kommunikationstechnologie. Bisweilen sind mit der Bezeichnung Quartärer Sektor auch alle Branchen, die sich mit Erstellung, Verarbeitung und Verkauf von Informationen (Daten & Wissen) beschäftigen. So gehen einige Wirtschaftsforscher davon aus, dass sich die westlichen Dienstleistungsgesellschaften zu Informationsgesellschaften entwickeln. Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass sich der Quartäre Sektor noch vergrößern wird. Das Internet und die Globalisierung lassen grüßen. Unternehmen, die diese Entwicklung verschlafen, laufen Gefahr, vom Markt verdrängt zu werden. Dadurch wird sich der War for Talents weiter verschärfen, denn diese Berufe lassen sich nur erfolgreich ausführen, wenn man sowohl über die notwendigen fachlichen Kompetenzen als auch ausgeprägte Soft Skills verfügt.
 

War for Talents – Herausforderung für die HR-Abteilungen

Der War for Talents stellt die Personalabteilungen in den Unternehmen vor große Herausforderungen. Das Angebot an Arbeitskräften wird kleiner, doch die Anforderungen an die Arbeitskräfte werden größer. Dadurch kommt es zu einem Wettstreit um die klügsten Köpfe.   Die heutigen Absolventen-Generationen ist sich ihres Marktwertes bewusst. Doch auch wenn die Generation Y (Geburtsjahrgänge 1978 - 1998) dem Gehalt bei der Arbeitsplatzwahl weiterhin eine große Bedeutung beimisst, ist die Bezahlung nicht mehr das alles entscheidende Kriterium. Damit die Personalsuche erfolgreich ist, müssen Arbeitgeber mehr bieten. Dazu zählen u.a.: -Flexible Arbeitszeiten -Ein kollegiales Umfeld -Frauenförderung -Weiterbildungsangebote -Transparenz -Work-Life-Balance -Unternehmensverantwortung gegenüber Mitarbeitern, Umwelt & Gesellschaft -Mit einer starken Arbeitgebermarke überzeugen Eine starke Arbeitgebermarke (engl. Employer Brand) ist der Schlüssel zum Erfolg im War for Talents. Employer Branding beschreibt alle Personalmarketing-Maßnahmen, die auf die Bindung bestehender Mitarbeiter sowie die Gewinnung neuer Angestellter abzielen. Ein Unternehmen sollte ihre Employer Branding-Maßnahmen aber nicht einfach nur als nützliche Strategie ansehen, sondern die Inhalte aus Überzeugung verinnerlichen und in die Firmenkultur einfließen lassen. Die Kandidaten werden es merken zu schätzen wissen. Es gibt viele Möglichkeiten und Kanäle, um sich potentiellen Bewerbern im War for Talents als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Hierzu zählen u.a. die eigene Homepage, Firmenprofile auf anderen Webseiten, Auftritte auf Jobmessen und Karriere-Events, Imagevideos sowie Social Media Profile. Man sollte auch nicht vergessen, dass jeder einzelner Mitarbeiter ein Botschafter fürs Unternehmen ist. Wer die Mitarbeiterzufriedenheit erhöht, verbessert die Chancen beim Recruiting erheblich. Man denke nur an Arbeitgeberbewertungs-Portale wie z.B. Kununu, wo sich Bewerber in Zeiten des Internet schnell einen Eindruck von der Firmenkultur machen können.
 

War for Talents erfordert effektives Recruiting

Neben einer attraktiven Arbeitgebermarke ist „Active Sourcing“ eine scharfe Waffe im War for Talents. Dabei handelt es sich um die direkte Ansprache potentieller Kandidaten durch den Recruiter. Dieses „Schwert“ sollte man jedoch zu führen wissen, denn sonst wird es sehr schnell stumpf. Anonyme Massenanfragen ohne Bezug zum Kandidaten landen jedoch schnell im Papierkorb des Empfängers. Deshalb gilt: wer im War for Talents siegreich bleiben will, muss effektives Active Sourcing betreiben – unsere Infografik „Effective Sourcing“ erklärt Ihnen wie.

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