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Worldwide Recruiting – Die Lösung gegen den Fachkräftemangel?

Dass in Deutschland einige Branchen und viele Unternehmen schon seit Jahren unter einem Fachkräftemangel leiden und auch die Zukunftsprognosen hier durchaus besorgniserregend sind, dürfte Ihnen bekannt sein. Laut Statistischem Bundesamt werden 2025 gegenüber 2010 rund 6 Millionen Fachkräfte fehlen. Das gilt insbesondere für die MINT-Berufe sowie den Medizin- und Pflegesektor. Was Sie aber vielleicht noch nicht wussten, es gibt dafür eine Lösung: Worldwide Recruiting.

Im Zuge der Globalisierung ist heutzutage in vielen in Deutschland ansässigen, international ausgerichteten Unternehmen sowie in Start-ups nicht länger Deutsch die Arbeitssprache, sondern Englisch. Dadurch lassen sich ausländische Arbeitskräfte mittlerweile viel besser in deutsche Unternehmen eingliedern und Worldwide Recruiting - auch Global Sourcing genannt - ist inzwischen viel einfacher praktisch umzusetzen als noch vor einigen Jahren. 

Doch es gibt noch ein weiteres Argument, das für eine Rekrutierung von Arbeitnehmern aus dem Ausland spricht. Aufgrund der Eurokrise ist gerade unter Studenten, Absolventen und Young Professionals in Krisenländern wie Spanien, Portugal und Italien die Arbeitslosigkeit hoch. In Spanien z. B.  führt der Studienabschluss jeden 2. Absolventen nicht in den Traumjob, sondern in die Arbeitslosigkeit. Die anderen 50% müssen sich mit sehr geringen Löhnen und zahlreichen Überstunden zufrieden geben.
 

Viele spanische Fachkräfte suchen in Deutschland Arbeit

Gerade spanische High Potentials drängen vermehrt nach Deutschland und auf den Arbeitsmarkt. In einigen Berliner Bezirken ist es völlig normal, an jeder Straßenecke auf junge Spanier zu treffen. Viele von ihnen verfügen sogar über gute Deutschkenntnisse und sind mit der Landeskultur vertraut, da sie im Zuge von ERASMUS oder einem anderen Austauschprogramm eines oder mehrere Semester in Deutschland verbracht haben. Mehr als 60 Prozent der spanischen Studenten und Absolventen, die bereits in Deutschland studiert haben, können sich sehr gut vorstellen, hierher zurückzukehren.

Viele Unternehmen fordern von ausländischen Bewerbern jedoch bereits zum Einstieg mindestens ein Sprachniveau von B2 in Deutsch oder höher. Damit verprellen sie zahlreiche potentielle Nachwuchsfachkräfte, die durchaus bereit sind, mit Ihrer Unterstützung ihre Sprachkenntnisse weiter auszubauen.


Spanische Absolventen zieht es häufig ins Ausland

Tipps für die Kontaktaufnahme

Ersten Kontakt können Unternehmen heutzutage dank sozialer Netzwerke wie Xing völlig problemlos herstellen. Auch auf deutschen Karrieremessen mit vielen ausländischen Besuchern wie der akademika bzw. auf großen spanischen Jobmessen wie z. B. der Fibest können Kontakte geknüpft werden. Noch mehr über Active Sourcing-Strategien für spezielle Fachkräfte erfahren Sie in der Infografik: Effective Sourcing for Talents.

Bei Online-Stellenausschreibungen gilt es, einige kulturelle Unterschiede zu beachten. So sollten Sie sowohl in spanischer als auch in englischer Sprache verfasst sein. Je nach Bewerberbedarf lohnt es sich sogar, eine Microsite, quasi eine abgespeckte Karriereseite, einzurichten. Für die spanische Version holen Sie sich am besten die Hilfe eines Muttersprachlers. Spanier erwarten zudem, dass das genaue Einstiegsgehalt angegeben wird. Dieses sollte dann auf gar keinen Fall niedriger angesetzt sein als bei deutschen Bewerbern. Worldwide Recruiting heißt nicht, sich billige Arbeitskräfte aus dem Ausland zu holen! Und mal ehrlich: Würden Sie ohne konkrete Anreize Ihr Heimatland verlassen?


Auswahlverfahren und Integration des neuen Mitarbeiters

Über Skype kann dann ein Interview geführt werden, um einen ersten Eindruck vom Bewerber zu bekommen. Für das persönliche Kennenlernen sollten Sie in Spanien, am besten in einer zentral gelegenen Großstadt, die persönlichen Gespräche durchführen. Bedenken Sie, durch die Eurokrise haben die meisten iberischen Bewerber nicht das Geld, um eine Reise nach Deutschland zu finanzieren.

Spanier sind sehr familienbezogen. Konnte ein Bewerber Sie also von sich überzeugen, sollten Sie ihm Ihre Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung sowie gegebenenfalls nach einem Kinderbetreuungsplatz behilflich sein. Falls Ihr Wunsch-Kandidat noch seine Sprachkenntnisse verbessern muss, können Sie ihm kostenlose Deutschkurse anbieten. Das wird Ihrem neuen Mitarbeiter das Gefühl vermitteln, dass er auch wirklich willkommen ist. So wird das Worldwide Recruiting am Ende für beide Seiten eine Win-Win-Situation.

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